Bahnhof Sprockhövel

Der Sprockhöveler Bahnhof war der erste, den ich als junger Schüler kennenlernte. Nach der vierten Klasse in der Sprockhöveler Volksschule (so hieß das damals) besuchte ich das Gymnasium an der Waldstraße in Hattingen. Die rund 7 Km zwischen Sprockhövel und Hattingen legte ich mit der Eisenbahn zurück. Dafür gab es eine Monatskarte aus dicker Pappe, die ich am Anfang des Monats am Schalter im Sprockhöveler Bahnhof kaufte. Die wurde mit einer Stempeldruckmaschine hergestellt.

Von zuhause zum Bahnhof war es ein Fußweg von etwa 10-15 Minuten. Mit 10 Jahren ging ich den selbstverständlich allein. Also traf ich jeden morgen Kurz vor 7 Uhr am Bahnhof ein, der damals noch umfangreiche Gleisanlagen hatte und Industrieanschlüsse zur Kesselschmiede Förster, ins Hauhinco Werk und natürlich zur Zeche Alte Haase. Ein Schema des damaligen Gleisplans findet sich bei spoorenplan.nl.

Natürlich hab ich damals noch nicht fotografiert. Aber ich habe interessiert die Vorgänge am Bahnhof beobachtet und habe bis heute lebhafte Erinnerungen.

Eine 50er mit Kabinentender verläßt den Bahnhof Sprockhövel Richtung Wuppertal am Bahnübergang über die B51

Zu jener Zeit bestand der morgentliche Schülerzug aus vier Umbaudreiachsern in der Regel bespannt mit einer Dampflok der Baureihe 78. Auf Bahnen-Wuppertal.de findet sich einer Beschreibung der Strecke über Sprockhövel, die mit einem Bild dieses Zuges von Helmut Dahlhaus beginnt. Falls ich erst zur zweiten Schulstunde in die Schule musste, konnte ich um 8 Uhr einen anderen Zug nehmen, ein Schienenbus. Es kam auch vor, dass anstatt der 78er eine 50er den 7 Uhr Zug führte. Im Sommer 1967 kam anstatt des Dampfzuges ein fürchterlich lärmender Vorkriegsdieseltriebwagen der Reihe VT36.5. Der Zug war so unbeliebt, dass alle froh waren, als wieder Dampfzüge fuhren.

Auch nachmittags konnte man Dampfloks der Baureihe 50 zu Gesicht bekommen. Noch produzierte die Zeche Alte Haase und so wurden täglich leere offene Güterwaggons gebracht und volle Kohlenzüge abgefahren. Da die Seilbahn von Alte Haase zum Gemeinschaftwerk an der Ruhr in Hattingen 1965 stillgelegt wurde, wurde die gesamte Produktion der Zeche per Bahn abgefahren. Für die Übergabe von Güterwagen in den Zechenanschluss oder an Industriebetriebe mit Gleisanschluß wurde in Sprockhövel in einem einständigen Schuppen eine Köf II bereitgehalten.

Mit dem Betriebsende auf Alte Haase 1969 ging der Güterverkehr auf der Strecke zurück. Die Köf verschwand aus Sprockhövel. Der 7 Uhr Schülerzug wurde durch rote Akkutriebwagen ETA 150 bedient. Der Schülerverkehr verlagerte sich auf Buslinien, insbesondere weil die Rückfahrt mittags überhaupt nicht zu den Zeiten des Schulschlusses passte und die Schüler fast eine Stunde auf dem Haltepunkt Schulenburg in Hattingen rumhängen mussten. Ein Güterzug am Tag reichte für die verbliebenen Verlader an der Strecke und den Stückgutverkehr. Die Rangierarbeiten wurden von der Zuglok des Güterzuges erledigt. Je nach anfallenden Rangierbewegungen in den Bahnhöfen entlang der Strecke fuhr dieser Zug zu unterschiedlichen Zeiten. Anfänglich zog regelmässig eine 50er den Güterzug, später immer öfter eine Diesellok der Reihe 216.

216 223 rangiert gedeckte Güterwagen an die Stückgutrampe im Bahnhof Sprockhövel. 1968 erhielt ich eine Kodak Instamatik Kamera und machte damit dieses Bild, eines meiner ersten Eisenbahnbilder.

Die frühere Geschäftigkeit des Bahnhofs war längst Vergangenheit. Man hatte Zeit. So lud mich ein Lokführer ein, die Diesellok zu besichtigen. Ich bekam das Innere gezeigt und konnte den heißen Dieselmotor bewundern.

1979 wurde der Personenverkehr eingestellt, 1984 der Güterverkehr. In dem Jahr feierte der Bahnhof seinen einhundertsten Geburtstag. Vom Museum Dahlhausen kam ein Sonderzug. Da war das Gleis am Hausbahnsteig und die Strecke Richtung Wuppertal bereits abgebaut.

V36 231 brachte den Museumszug aus Dahlhausen nach Sprockhövel

Weiter hinten am Ladegleis hatte man die Zechenlok Hibernia 41E aufgestellt. Die wurde später bekannt, als sie in Bochum Werbung für das Musical Starlight Express machte.

V200

In der markanten Gestaltung der Front ähnlich legendär wie der VT11.5, wurde die Diesellok V200 schnell zum Symbol des Traktionswandels bei der Bundesbahn.

053 059-2 neben 220 062-4 in Crailsheim

Genau dieses Nebeneinander von Dampf und Diesel war sicherlich der Grund hier mal auf den Auslöser zu drücken. Das Bild entstand im Sommer 1972. Die als 50 3059 im Jahre 1943 bei Krupp gebaute Dampflok wurde noch im November des gleichen Jahres ausgemustert. Die 1959 bei Krauss-Maffei gebaute V200 (220 062-4) wird 1975 nach Norddeutschland versetzt werde, wo sie noch bis 1984 im Dienst steht.

Das Aussehen der V200 war so attraktiv, dass sich Modelle der Lok gut verkauften und so war denn auch die zweite Lok auf meinen Modellbahngleisen das Märklin Modell 3021 in der ab 1960 gebauten Variante mit 3 Stirnlampen. Das Vorbild kannte ich als kleiner Junge jedoch nur von Bildern.

Erst 1969, als ich mich mal mit meiner Kodak Instamatik Kamera in den Rundschuppen des BW Hagen-Eckesey schlich, bekam ich die 220 075-6 vor die Linse. Und weil der Schuppen wohl seit dem Krieg kein Dach mehr besaß, ist das Bild brauchbar belichtet. Es leidet natürlich wie alle Bilder aus der Billigkamera unter der Fixfokusobjektiv und der Sucherparallaxe, durch die man nie wirklich wusste, was auf das Bild kommen würde. Diese Lok wurde nach ihrer Ausmusterung an eine französische Baufirma verkauft, für die sie in Frankreich und Algerien bis 1999 ihren Dienst verrichtete.

220 075-6 im BW Hagen-Eckesey, 1969

Als Nostalgiezugreisen.de für den 9.2.2019 eine Sonderfahrt von Köln über Minden nach Wernigerode mit zwei V200 als Zugloks ankündigte, landete der Termin gleich im Kalender. Der Zug würde wohl flott vorankommen und so nicht einzuholen sein. Daher bin ich in die Gegend um Vienenburg gefahren, um ihn dort in der freien Landschaft zu erwischen. Mit etwas Glück dann noch in Wernigerode beim Rangieren für die Rückfahrt.

Als ich am recherchierten Fotopunkt ankam, wurde klar, dass die Strecke dort vollständig im Schatten lag. Gleichzeitig bekam ich eine Message, dass der Zug mit 40 Minuten Verspätung in Köln abgefahren war. Genug Zeit, einen besseren Standpunkt zu suchen. Nicht ganz einfach, wenn man die Gegend nicht kennt. Am Ende entschied ich mich für eine Stelle kurz vor Ilsenburg. In Sichtweite war ein beschrankter Bahnübergang, wo sich schon einige Eisenbahnfans tummelten. Ich blieb in Entfernung, denn mir ging es um ein Bild vom Zug in der Landschaft. Die Schrankenanlage würde mich hoffentlich rechtzeitig auf den herannahenden Zug aufmerksam machen.

Das Wetter war extrem stürmisch und wechselte ständig zwischen sonnig und Platzregen. Die Überlegung mit der Schranke erwies sich als Fehlkalkulation, denn die Blinklichter gingen erst an, als der Zug schon mitten im Bild war. Ich hatte aber Glück, denn zufällig schaute ich im richtigen Moment auf die Strecke und sah den Zug schon, als die Schranke noch offen war. Und die Wolken hatten auch ein Einsehen.

220 033 und 215 028 mit Sonderzug von Köln nach Wernigerode

Entgegen der Ankündigung läuft an zweiter Stelle ein Diesel aus der V160 Serie der späten 60er Jahre. Mit ihrer geknickten Front hat die ebenfalls ein markantes Aussehen. Die V200 sind zweimotorige Loks, die V160 dagegen einmotorig aber gar nicht viel schwächer. Nun ja, dazwischen liegen 10 Jahre Motorenentwicklung.

Hinter den Loks laufen vier Euro-Express Wagen in italienischer Lackierung, dahinter Wagen aus dem Rheingold-Zug vom Freundeskreis Eisenbahn Köln. Man sieht an fünfter Stelle im Zug den Gesellschaftswagen WGm, dann ein 2. Klasse Abteilwagen von 1931, der Speisewagen von 1928, das Berühmte Dom Car mit der Aussichtskanzel im Dach und ein Service und Generatorwagen von 1953.

V200 033 der Eisenbahnfreunde Hamm und 225 028

Obwohl Ilsenburg weit weg von der nächsten Auffahrt zur B6 liegt schaffe ich es gerade noch rechtzeitig bis Wernigerode, um den Zug dort zu erwischen als er einläuft.

In Wernigerode setzen die Loks um und werden dann von einem Diesellieferanten aus dem LKW betankt.

fotogen posieren in Wernigerode die 215 028 der EfW-Köln und die V200 033

Die 215 028 der EfW ist eigentlich die 225 028 und hat an einer Front das EfW-Logo mit einem nachgemachten DB-Keks überklebt.

Nebenbei läuft nebenan der Dampflokbetrieb der Harzer Schmalspurbahnen. Viele Teilnehmer des Sonderzuges steigen um in einen Zug Richtung Brocken. Der Berg ist allerdings heute gesperrt, denn oben fegen Orkanböen über den Gipfel. Daher werden sie nur bis Schierke fahren können.

Sonderfahrt nach Remscheid-Lennep

Am 24.3.1973 leistete ich mir als mitteloser Schüler eine der wenigen Teilnahmen an einer Sonderfahrt. Mit Vaters 6×6-Rollfilm-Kamera habe ich fast einen ganzen Film, 12 Aufnahmen, verschossen, was das Budjet ebenfalls enorm belastete. Natürlich taugen die Bilder nicht viel, denn ich war ungeübt im fotografieren. Und aufgeschrieben habe ich auch nichts. Dank des Internets konnte ich aber das Datum und die Abläufe rekonstruieren. Über diese Sternfahrt gibt es nämlich einen schönen Bericht von Armin Gerhardts auf dessen Website posten17.de und einen Beitrag im drehscheibe-online.de Forum Historische Bahn

Für mich begann die Fahrt in Hagen. Die 012 077 zog den E 42368/369 Hagen – Remscheid-Lennep und zurück.

hinter dem Öltender der 012 077 geht es von Hagen nach Remscheid-Lennep. Fahrt durch den Büchener Tunnel zwischen Solingen und Remscheid

Eine Sternfahrt mit vier Dampfzügen von Düsseldorf, Essen, Hagen und Köln nach Remscheid-Lennep war angesagt.

012 077 in Remscheid-Lenne
Blick vom Öltender der 012 077

Für eine ungewöhnliche Perspektive wurde kurzerhand die Lok geentert. Überhaupt ging es damals sehr zwanglos zu, wie die Menschen auf den Gleisen erkennen lassen. Na ja, Züge waren eben auch unüberhörbar laut und langsam.

012 063 ist mit einem Sonderzug aus Köln nach Remscheid-Lennep gekommen
Das Triebwerk der 012 063. Hier hätte es keinen Sinn gemacht, das quadratische Negativ zu beschneiden.
044 644 kam mit dem E 43144 von Essen über Solingen-Ohligs
Die Wedauer 050 705 brachte mit E 41053 von Düsseldorf über Solingen-Ohligs nach Remscheid-Lennep

Allzu schnell ist die Party vorbei. Die Ausfahrt der 012 063 nach Köln sehe ich noch, dann muss ich auch einsteigen, um nicht in Lennep zu stranden.

Ausfahrt von 012 063 in Remscheid-Lennep