Long Way Down…Hohhot-Xian

Eigentlich wären es ja nur neun Stunden mit dem Bus von Hohhot nach Xian?? gewesen, aber aus neun wurden zehn, aus zehn elf und aus elf schließlich auch zwölf einhalb Stunden. Diese zwölf einhalb Stunden waren die längsten an die ich mich erinnern kann.

Der Tag hatte eigentlich ganz gut angefangen. Wir sind gegen acht Uhr morgens aufgestanden haben gefrühstückt und drei mongolische Musik CD’s geschenkt bekommen. Unser „Gastvater“ hat uns dann auch noch zum Busbahnhof gefahren und den richtigen Bus für uns gesucht. Erste schlechte Nachricht war, der Bus würde keinerlei Esspausen machen (und wir hatten natürlich aus Erfahrung dass Busse für gewöhnlich Mittagspausen machen nichts an Proviant eingepackt) damit wir schneller in Xian ankommen, mit schneller meinte der Busfahrer 9 Stunden anstelle von 10 Stunden. Uuuh-kay. Nur neun Stunden Hungern …dass schaffen wie das noch so grade eben (ganz großer Protest von Basti) …innerhalb der ersten halben Stunde auf dem Bus beschließen wir die eingesparten Kcal’s später im McDonalds wieder gutzumachen. Weniger glücklich war ich über den Gedanken dass wir eventuell auch keine Partybreaks haben werden… aber immerhin, nach knapp 4 Stunden Kongfu Filmen hält der Bus vor einer öffentlichen Toilette. Wenn man irgendwo die Zeichen ???? (gong gong cesuo) sieht, sollte man schonmal die Hose hochkrämpeln, tief Luft holen und prüfen ob man auch nicht vergessen hat Taschentücher in der Hosentasche deponiert zu haben.

Wissend dass mich nichts Gutes erwarten wird folge ich dem Zeichen ? (Frau) zu einem Raum (ohne Tür), bevor ich reinschauen kann hüpft mir ein verirrter Mann entgegen …nächster Versuch…ich schaue rein und hüpfe rückwärts wieder raus…springe ein paar mal angewiedert im Kreis, seh Juri der auch rückwärts wieder raus gehüpft kommt. Wir diskutieren kurz darüber welche Toilette wohl schlimmer ist…sehen aber auch dasss wir keine andre Wahl haben werden ausser diese zu benutzen weil der Busfahrer ja eigentlich gar keine Partybreak machen wollte und unsere Chancen schlecht stehen nochmal eine andere Gelegenheit zu bekommen. Schweren Herzens begeben wir uns wieder Richtung …was eine Toilette sein soll.

Man stelle sich einen Raum vor…ein Raum in dem zwei Schlitze auf dem Boden sind…vor den Schlitzen eine Pfütze mit …was einst Mageninhalt eines Mitmenschen gewesen war.

Damit endet die Beschreibung, kein Raumteiler, keine Türen …nichts. In der Minute in der ich noch verarbeite was ich sehe ist eine Chinesin schon wieder angezogen und deutet auf das Loch…unter Zeitdruck weil ich Angst habe dass der Bus ohne mich weiter fahren könnte überwinde ich sämtliche Verklämmungen und nehm dankend an und bemerke wie nun beide Chinesinnen die im Raum waren angezogen stehen bleiben und mich fasziniert anstarren…sämtliche Verklemmungen sind zurück…leider zu spät…ich hock schon ohne Hose über dem ekligsten Loch ganz Chinas…

Ein, zwei Minuten später komm ich wieder mit Hose aus dem Raum rausgehüpt…bemerke dass es kein Waschbecken weit und breit gibt. Juri und Basti murren darüber dass sie so dumm waren überhaupt von dem Toilettenhäuschen gebrauch gemacht zu haben, weil in dem Moment als sie da rauskamen ein Chinese einfach draußen ans Toilettenhäuschen uriniert hat…das wäre weitaus weniger eklig gewesen.

Noch schnell zwei Vergleichsfotos von Frauen- und Männertoiletten geschossen und schon geht es weiter mit der Busfahrt.

Obgleich der Bus an Partybreaks und Esspausen Zeit einsparen möchte hält der Bus alle 15 Minuten irgendwo im Niergendwo und sammelt Leute ein, somit wird der Bus allmählich voller und auch dreckiger weil die Mülltonnen regelmäßig umfallen und sämticher Inhalt auf dem Fußboden verteilt wird…

Immerhin wir haben ja noch den kleinen Minifernseher mit Kongfu filmen.

Die ersten drei Minuten nach der Toilettenpause sind die glücklichsten drei Minuten auf der Reise weil eine Szene aus Starwars Episode 1 plötzlich aufflackert. Überglücklich und voller Hoffnung frage wir ob der Busfahrer nicht den ganzen Film suchen könnte, leider war es tatsächlich nur der Ausschnitt der auf der DVD war, der Rest der DVD sind Kongfu Filme (die wir schon alle gesehen hatten) und…chinesische Comedy.

Comedy klingt ansich nicht so dramatisch…war es aber. Die Comedy Serie die auf der DVD war war die primitivste Art Comedy die ich je gehört oder gesehen habe…in diesem Fall hätte ich gewünscht kein Chinesisch zu können, weil trotz Weggucken war mal leider gezwungen zu hören (und zu verstehen) was gesagt wird. Ich kann gar nicht in Worte fassen wie schlimm die letzten sieben Stunden unserer Busreise für uns waren, besonders für mich weil ich schon nach einer halben Stunde nach der ersten Partybreak auf die nächste gehofft habe…dieser Wunsch blieb leider aber bis zur Ankunft in Xian unerfüllt.

Ab der neunten Stunde in dem Bus steigt die Erwartung, zwar sieht die Landschaft wirklich genial aus in der der Bus sich rumschlängelt, aber keiner von uns möchte länger in dem Bus sein als nötig. Der Fahrer sagt immer wieder zuversichtlich ??? (kuai dao le, sind gleich da) und somit steigen unsere Erwartungen….bis wir nach zwei Stunden wiederholtem Nachfragen die Schlußfolgerung ziehen dass der Fahrer aus Prinziep???sagt…und so wurden aus neun zwölfeinhalb Stunden, das gute an der Sache ist ja, wir haben voll viel Zeit dadurch eingespart dass wir nur eine Partybreak hatten und keinerlei Pausen um Verpflegung zu kaufen.

Von Xian werd ich euch das nächste Mal erzählen

Eine Antwort zu “Long Way Down…Hohhot-Xian”

  1. schorsch Sagt:

    Mannomann! Diesen Härtetest hätte ich definitiv nicht bestanden. Ich wäre irgendwo ausgestiegen und zu Fuss gelaufen oder was weiss ich. Aber ich hatte sicher nicht durchgehalten. Respekt!

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